15. September 2026

Wenn aus Daten Erkenntnisse werden

Prof. Dr. Nadine Albrecht verbindet mathematische Statistik mit praktischer Erfahrung aus der Industrie und bringt diese Perspektive seit Juli 2026 in Lehre und Forschung an der HSZG ein.

Seit Juli 2026 ist Prof. Dr. rer. nat. Nadine Albrecht Professorin für Multivariate Statistik und Mathematik an der Fakultät Natur- und Umweltwissenschaften der Hochschule Zittau/Görlitz. Nach zehn Jahren in Forschung und Lehre an der TU Dresden und sechs Jahren in der Industrie kehrt sie nun an die Hochschule zurück. Im Interview spricht sie darüber, was sie an Statistik begeistert, wie sie Theorie und Anwendung verbinden möchte und warum eine Tafel in ihrem Büro nicht fehlen darf.

Frau Prof. Albrecht, würden Sie sich zu Beginn kurz vorstellen?

Sehr gern. Ich habe an der Technischen Universität Dresden Mathematik studiert und dieses 2010 als Diplom-Mathematikerin abgeschlossen. Anschließend war ich zehn Jahre lang als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Mathematische Stochastik der TU Dresden tätig. Dabei habe ich insbesondere an Themen aus dem Bereich der mathematischen Statistik gearbeitet und Erfahrungen in der Hochschullehre gesammelt. Meine Promotion habe ich dann 2020 am Lehrstuhl für Mathematische Statistik mit dem Schwerpunkt Decision tree learning abgeschlossen. 

Daraufhin habe ich meine Perspektive erweitert und bin für 6 Jahre in die Industrie gewechselt. Als Softwareentwicklerin bei der Carl Zeiss IMT GmbH lag mein Schwerpunkt auf Themen wie Messsystemanalyse und statistische Prozesskontrolle – also der Verbindung zwischen theoretischer Statistik und praktischer Anwendung in industriellen Prozessen.

Mit meiner Professur an der HSZG freue ich mich nun darauf, diese Verbindung auch in Lehre und Forschung einzubringen.

Was hat Sie dazu inspiriert, eine wissenschaftliche Laufbahn einzuschlagen?

Mein Antrieb für die Wissenschaft ist die Begeisterung dafür, scheinbar unübersichtliche Probleme zu lösen und dabei Strukturen und Zusammenhänge zu entdecken, die zunächst vielleicht gar nicht offensichtlich sind. Viele Prozessen aus den unterschiedlichsten Fachgebieten lassen sich kaum deterministisch beschreiben, weil zufällige Einflüsse eine Rolle spielen. Insbesondere die Stochastik gibt uns ein Werkzeug an die Hand, solche Unsicherheiten mathematisch zu modellieren und trotz der vorhandenen Unsicherheit systematisch Aussagen über sie zu treffen. Das ist schon irgendwie cool.

Mein Antrieb für die Wissenschaft ist die Begeisterung dafür, scheinbar unübersichtliche Probleme zu lösen und dabei Strukturen und Zusammenhänge zu entdecken, die zunächst vielleicht gar nicht offensichtlich sind.

Was verschlägt Sie in die Oberlausitz bzw. an die HSZG?

Die ausgeschriebene Professur. Allerdings eine, die erstaunlich gut zu meinem Profil und zu meinen Vorstellungen davon gepasst hat, wie ich künftig arbeiten möchte.

Was machen Sie genau? Was sind Ihre Arbeitsschwerpunkte an der HSZG?

Im ersten Jahr wird vermutlich der Schwerpunkt meiner Arbeit auf der Lehre liegen, deren Anteil an einer HAW relativ groß ist. Ich übernehme die statistische Ausbildung der Studierenden aus den Natur- und Umweltwissenschaften. Neben den statistischen Methoden sollen die Studierenden lernen, wie man Daten aufbereitet, analysiert und visualisiert, wie man mit größeren Datenmengen umgeht und welche Softwaretools sich für welche Fragestellung eignen.

Die HSZG bildet seit letztem Jahr auch zukünftige Mathematiklehrer aus. Dort werde ich auch Vorlesungen halten.

Als weiteren Schwerpunkt möchte ich an meine Forschung im Bereich der mathematischen Statistik aus der Promotionszeit anknüpfen und Resultate und Fragestellungen daraus weiterentwickeln und veröffentlichen.

Gibt es Forschungsschwerpunkte, die Ihnen besonders am Herzen liegen?

Mich reizt besonders die Verbindung von Stochastik und deren Anwendung. Die Arbeit während meiner Promotionszeit war stark theoretisch geprägt, mit Themen wie stochastische Prozesse, Grenzwertsätze oder Martingalmethoden. Durch meine Zeit in der Industrie habe ich dann eine ganz andere Seite kennengelernt, wie etwa professionelle Softwareentwicklung und spezielle Verfahren aus der Messtechnik wie Messsystemanalyse oder Statistische Prozesskontrolle. Diese beiden Perspektiven möchte ich nun zusammenbringen und neue Forschungsthemen entwickeln – idealerweise in Zusammenarbeit mit Unternehmen.

Wie gestalten Sie Ihre Lehre, um Studierende zu begeistern?

Um die Studierenden für mein Fach zu begeistern, ist es sicher hilfreich, die Lehre praxisnah und abwechslungsreich zu gestalten. Dazu nutze ich verschiedene Medien und Tools – von Tafel und Beamer bis hin zu interaktiven Umfragen. Wichtig ist mir auch der Einsatz von echten Daten und realen Problemstellungen, bei denen die Studierenden möglichst früh selbst Daten analysieren und Ergebnisse untereinander diskutieren können. Aus eigener Erfahrung als Studentin weiß ich, dass die eigene Begeisterung für das Fach eine wichtige Rolle spielt. Wenn ich selbst mit Begeisterung und Überzeugung ein Fach vermittle, überträgt sich davon hoffentlich auch etwas auf die Studierenden.

Wenn ich selbst mit Begeisterung und Überzeugung ein Fach vermittle, überträgt sich davon hoffentlich auch etwas auf die Studierenden.

Welchen Rat würden Sie Studierenden geben, die eine wissenschaftliche Karriere in Ihrem Fachgebiet anstreben?

Ich würde den Studierenden mit auf den Weg geben, mathematisch-statistische Kompetenzen nicht als Selbstzweck oder notwendiges Übel zu betrachten, sondern als Teil des eigenen wissenschaftlichen Handwerks zu verstehen. Keine Scheu davor zu haben, sich in neue Methoden und die dazu benötigten Softwarewerkzeuge einzuarbeiten. Man muss nicht alles können, aber man sollte bereit sein, sich immer wieder Neues zu erschließen.

Was sind Ihre besten Survival-Tipps für die Prüfungszeit? Welche Tricks haben Sie auf Lager, um die Prüfung bestmöglich zu meistern?

Einen ultimativen Survival-Tipp habe ich leider nicht. Ich selbst habe mich als Studentin wochenlang in die Bibliothek verkrochen, weil ich ziemlich gut darin war, Dinge aufzuschieben und mich leicht ablenken zu lassen. Da muss jeder letztendlich seinen eigenen Weg finden. Aber frühzeitig herauszufinden, welcher das ist – das ist sicher von Vorteil.

Welche Bücher wollen Sie dieses Jahr noch unbedingt lesen?

Ganz oben auf meiner Leseliste steht momentan „The rules of contagion" von Adam Kucharski. Allerdings konkurriert die gerade arg mit unserer Familienlektüre – da stehen Bücher von Michael Ende und Walter Moers auf dem Programm.

Hätte ich vorher alles bis ins kleinste Detail planen wollen, wäre ich wohl nie Professorin geworden.

Wie bekommen Sie Beruf & Freizeit bzw. Familie vereinbart?

Das ist im Moment tatsächlich eine Herausforderung, gerade mit schulpflichtigen Kindern. Ich habe das große Glück, dass mein Partner und ich uns gegenseitig sehr unterstützen und uns auch Freiräume für Freizeit und Sport ermöglichen. Auch Familie und Freunde sind ein wichtiger Faktor, wenn es darum geht, Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren.

Ich muss auch sagen, ich habe mich früh von dem Anspruch verabschiedet, alles perfekt planen zu können. Manchmal muss man spontan schauen, welche Lösungen es gibt und was einem wichtig ist. Hätte ich vorher alles bis ins kleinste Detail planen wollen, wäre ich wohl nie Professorin geworden.

Welche drei Dinge dürfen in Ihrem Büro auf keinen Fall fehlen?

Eine Tafel zum Brainstormen, meinen Rechner – ohne den geht natürlich wenig und Zimmerpflanzen fürs eigene Wohlbefinden

Vielen Dank für das interessante Gespräch und weiterhin viel Erfolg an der HSZG.

Das Gespräch führte die Stabsstelle Hochschulentwicklung und Kommunikation, Teilbereich FH-Personal. 

Ihre Ansprechperson
Prof. Dr. rer. nat.
Nadine Albrecht
Fakultät Natur- und Umweltwissenschaften
02763 Zittau
Schwenninger Weg 1
Gebäude Z VII, Raum 17
Erdgeschoss
+49 3583 612-4915